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Willkommen bei Kolping Horst-Emscher |
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RückschauGründung des Katholischen Gesellenvereins in Horst-Emscher
Im Hause Berghorn an der Essener Str. fand dann die erste offizielle Versammlung statt. (Heute an einer Platte mit der Aufschrift: „Hier wurde 1870 der Katholische Gesellenverein gegründet“ erkennbar). In Horst-Emscher gab es zu damaliger Zeit etwa 100 Wohnhäuser und etwas mehr als 1000 Einwohner. Die Zeche Nordstern war gerade abgeteuft und bot vielen Männern Arbeit. Die Bergarbeiter hatten sich schon zum Knappenverein, heute KAB, zusammengeschlossen. Auch diese Gründung wurde durch Pfarrer Lenfert begleitet. Mit Kaplan Weining wurde in den Jahren bis 1900 ein Kolpinghaus gebaut. Nun bestand eine Unterkunft für wandernde Gesellen und gleichzeitig ein Treffpunkt für die Pfarrgemeinde St. Hippolytus. Die Blütezeit des Gesellenvereins begann und war aus dem gesellschaftlichen Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Kontakte zu Brudervereinen wurden ebenso gepflegt wie die Teilnahme an Weiterbildungskursen gefördert. Eine Theatergruppe führte über viele Jahre hindurch unterschiedliche Stücke erfolgreich auf.
Der kurz vorher gebaute kleine Saal diente dem Roten Kreuz als Reservelazarett. Nach dem Krieg musste der Gesellenverein wieder von vorne beginnen. Unter Ehrenpräses Dechant W. Wenker wurde Vikar Holle 1919 der neue Präses. 1920 konnte dann das 50jährige Jubiläum gefeiert werden. Ein großer Handwerkszug marschierte durch die Straßen von Horst-Emscher. Eine große Anzahl von Brudervereinen bezeugte die Zusammengehörigkeit der Gesellenbrüder in Stadt und Land. Es folgte wiederum eine schwere Zeit: Die Inflation kam mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen. Französische Soldaten besetzten den großen Saal des Kolpinghauses. Das 25jährige bestehen des Kolpinghauses konnte im Beisein des ehemaligen Präses begangen werden. 1926 gründete sich eine Schützengilde, diese bestand bis in die sechziger Jahren. Der letzte Schützenkönig wurde Alfons Lampferhoff, seine Königin Ursula Schürmann. Ende der 20er Jahre leistete die Theaterabteilung hervorragende Arbeit unter der Leitung von Josef Pogge. Beliebt waren die Zunftabende der Handwerkergruppen. In besonderer Weise wurde hier die Zusammengehörigkeit zwischen Meister und Gesellen gepflegt. 1929 wurde das neue Jugendheim und der Knappensaal eingeweiht. Wegen der wirtschaftlichen Notlage konnte das 60jährige Bestehen nur im kleinen Rahmen gefeiert werden. In Deutschland herrschten Arbeitslosigkeit und Armut. In 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland. Bald schon begannen sie den Kampf gegen die kirchlichen Vereine. Viele wurden verboten, andere mussten ihre Tätigkeit auf den rein kirchlichen Bereich beschränken, so auch der Gesellenverein. Aus diesem Grunde erfolgte auch die Umbenennung in „Deutsche Kolpingsfamilie“ . Die SA besetzte einige Räume im Kolpinghaus und richtete dort eine Dienststelle ein. Alle sozialen Einrichtungen der Kolpingbrüder wurden zerschlagen. die berufliche Wanderschaft der Handwerker wurde verboten. Die handwerklichen Fachabteilungen wurden aufgelöst. Untersagt wurden fast alle gesellschaftlichen Veranstaltungen. Hitlers Politik führte in einen zweiten Weltkrieg und viele junge Männer mussten ihr Handwerkszeug gegen Stahlhelm und Gewehr eintauschen. In Horst hielt Präses Bornefeld mit den daheimgebliebenen treu zum Kolpingwerk, obwohl es immer schwieriger wurde und manches mal eine Abführung durch die GESTAPO riskiert wurde. Am 23. 11. 1944 wurde beim Großen Bombenangriff auf Gelsenberg und Horst die Stadt, und das Kolpinghaus vollkommen, zerstört. Es gab viele Tote zu beklagen.
Präses Blömer war die Gestaltung des monatlichen Programms ein großes Anliegen. Zudem wurden Kurse in Deutsch und Mathematik angeboten. Die Weiterbildung der jungen Menschen wurde intensiv gefördert. 1949 wurde der Kolping-Spielmannszug gegründet, der viele Jahre erfolgreich das Aushängeschild der Horster Kolpingsfamilie war. Leider sind die aktiven Mitglieder der Musiker immer weniger geworden.
Im April 1953 wurden die Säle des Kolpinghauses mit Vertriebenen aus den Deutschen Ostgebieten belegt. Diese Beschlagnahme wurde 1954 wieder aufgehoben. Im Wohnhaus haben in den Jahren 1948 – 1956 10-12 junge Kolpingsöhne gewohnt. Mit der Einrichtung des Vereins: „Katholische Heimstatt e.V. St. Hippolytus“ wurde dieses Haus nach entsprechenden Umbauten durch die Zeche Nordstern, ab 1957 von Jungbergleuten bewohnt. 1962 wurde Präses Küppers nach Duisburg Ruhrort versetzt und wurde Schifferpastor auf dem Kapellenboot St. Nikolaus. Nachfolger als Präses wurde Kaplan Theo Holländer, mit ihm verarbeiteten wir das Konzil und die damit verbundenen Veränderungen in der katholischen Kirche. Im Juli 1967 wurde Kaplan Holländer in die bischöfliche Behörde nach Essen versetzt. Danach kam Kaplan Jürgen Brandt als Präses, gleichzeitig war er Präses beim KKV, dadurch ergab sich zwangsläufig eine enge Zusammenarbeit. Nach seiner Versetzung nach Wattenscheid kam ein Jahr später Kaplan Wolpers nach St. Hippolytus. Er wurde ab September 1970 neuer Präses der Horster Kolpingsöhne. Theo Waterwiese, der schon seit 1959 Vizepräses der Kolpingsfamilie war, wurde nach einer Satzungsänderung im Kolpingwerk erstmals zum Vorsitzenden der Kolpingsfamilie Horst-Emscher gewählt. Er starb plötzlich im Frühjahr 1974. Im Mai wählte die Mitgliederversammlung Hubert Sändker zum neuen Vorsitzenden. Ebenso in 1974 öffnete sich das Kolpingwerk für Frauen. Bei uns wurden erstmalig 21 Frauen in die Kolpingsfamilie aufgenommen. In den Jahren 1976 – 1978 wurde das Kolpinghaus renoviert. Dies geschah zum großen Teil in Selbsthilfe. Entweder durch Spenden oder durch Mithilfe bei den anfallenden Arbeiten im und am Hause. Viele, insbesondere Jugendliche, haben hier tatkräftig mitgeholfen. Es zeigte sich die gute Zusammenarbeit mit den Jugendgruppen. Diese Verbindung führte auch zu einem starken Mitgliederzuwachs bei der Jugend. Zwischenzeitlich war 1978 Kaplan Graffa als Präses zu Kolping gekommen.
Für den Ortsteil Gelsenkirchen-Horst war es ein großes Fest. Im Kolpinghaus fand zum Abschluss ein großer Handwerkerball statt. Für die Bevölkerung in Deutschland brach eine Zeit der Protestwellen an. Die katholische Kirche wehrte sich gegen die Gesetze zur Legalisierung von Abtreibungen. Der Ruf verschiedener Frauengruppen „Mein Bauch gehört mir“ veranlasste die katholischen Verbände zu Schweigemärschen in der Essener Innenstadt. Hieran beteiligte sich auch die Kolpingsfamilie Horst-Emscher. Die Kolpingjugend hat dazu vom 11.10.1984 - 14.10.1984 eine Zeltaktion durchgeführt. Seit dieser Zeit ist die Kolpingsfamilie Mitglied in der Aktion „Für das Leben“.
Fußball in der Kolpingsfamilie, selten, aber bei uns möglich. Bisher wurde noch kein Titel bei den Deutschen Meisterschaften errungen, aber dabei sein ist bekanntlich alles. 70000 Kolpingfreunde pilgerten 1991 nach Rom wo der Gründer des Kolpingwerkes von Papst Johannes Paul selig gesprochen wurde.
Im Jahre 1994 konnten wir letztmalig die Mitgliederversammlung im Kolpinghaus durchführen. Die notwendige Finanzierung von erforderlichen Instandsetzungen war durch uns nicht zu tragen. Der gemeinsame Beschluss von Kolpingsfamilie und Kolpinghaus e. V. führte zur satzungsgemäßen Übergabe an die Kirchengemeinde. Die erhoffte und vorgesehene Bebauung mit Altenwohnungen an gleicher Stelle konnte dann leider nicht realisiert werden. Ein schmerzlicher Verlust für die Kolpingsfamilie. Die aus den Fenstern des Kolpinghauses geretteten Handwerkerwappen schmücken jetzt eine Wand im Saal des Pfarrzentrums. Die Veranstaltungen der Kolpingsfamilie werden seit der Übergabe im Pfarrzentrum von St. Hippolytus durchgeführt. Mit dem Motto: „In der Gegenwart muss unser Wirken die Zukunft im Auge behalten“ konnte die Kolpingsfamilie 1995 ihr 125-jähriges Jubiläum begehen. Ein solches Jubiläum gibt Anlass zur Rückschau, zur Besinnung und zum Ausblick in die Zukunft. Kolping hat uns ein Programm gegeben, das nicht an eine bestimmte Zeit, nicht an eine bestimmte Gruppe von Menschen und auch nicht an ein bestimmtes Land gebunden ist. Wir sind Mitglied im großen Kolpingwerk, dass inzwischen in mehr als 50 Ländern der Erde vertreten ist. Wir sind gefordert, unser Programm immer wieder an den Aufgaben der Zeit neu auszurichten. Der Ansatz Adolph Kolpings, „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten, ist heute so aktuell wie damals, Kolping war ein Mann der Tat, der zupackte, um Not zu lindern. Und daran wollen auch wir arbeiten. Treu Kolping |